virtuelle eventualitäten

Karl Morkel

virtuelle eventualitäten

virtuelle eventualitäten 199 300 Die Aktgalerie

Karl Morkel

06.07.2012 – 29.07.2012

Karl Morkel:
„In meinen arbeiten verfolge ich das reine bild des menschen, frei von schuld und verschlagenheit. kleidung kaschiert die wahrheit und wirklichkeit, stellt ansprüche an das soziale umfeld und tendiert dazu machtansprüche zu dokumentieren.“

Karl Morkel wurde 1946 im Rheinland geboren und beschäftigte sich schon während seines Studiums mit Fotografie und anderen künstlerischen Techniken.
Die Fotografie betreibt er bis heute sehr aktiv.
In dieser Ausstellung zeigt er ganz besondere Fotografien. Der Titel „virtuelle eventualitäten“ deutet schon auf ihre Besonderheit hin: nämlich auf das was man nicht erwartet. Wir sehen hier genau arrangierte und auch montierte Szenerien, in die Morkel gleich eine ganze Reihe traditioneller Themen der bildenden Künste hineingepackt hat:
Themen wie
– Vergänglichkeit bzw. Flüchtigkeit,
– Natürlichkeit, die mit gesellschaftlicher Etikette konfrontiert wird,
– und wir finden hier auch die Idealisierung und Allegorisierung von Weiblichkeit wieder – ebenfalls eine alte Bekannte im kunstgeschichtlichen Kanon.

Und das alles präsentiert er uns in einer bestechenden Ästhetik. Denn Karl arrangiert seine Fotografien zum Teil wie eine Bühne. Die Kulisse ist hier eine verfallene, ruinöse Architektur, vor (oder in) der uns Allegorien und Sinnbilder in Gestalt weiblicher Akte vorgeführt werden. Mal ist es die Allegorie der (Lebens-)Quelle, wie im Badesaal von Beelitz (ein Ort südlich von Berlin). Mal einfach nur der weibliche, ideal geformte Körper als Sinnbild für die Nähe zur Natur oder für das Ideal der romantischen Unverdorbenheit. Und das in altehrwürdigen Architekturen, die für Herrschaftlichkeit und Gesellschaftsetikette stehen. Dieser Kontrast irritiert uns und eröffnet damit durchaus einen reflektierenden, kritischen Blick auf die hier vorgestellten Orte. So muss es im Roten Saal von St. Petersburg fast unmöglich gewesen sein, sich natürlich zu verhalten und aus der gesellschaftlichen Etikette jener Zeit auszubrechen, die hier durch die klassische Architektur und das Dekor ins Bild geholt wird. Bezeichnenderweise rückt die menschliche Gestalt hier auch an den Bildrand und fällt erst beim zweiten Blick auf. Ihre Unvermitteltheit irritiert uns umso mehr und stört die morbide Atmosphäre des Ortes.

Ja – ich hoffe, ich habe Ihnen ein paar Anregungen geben können, sich diesen Fotografien von Karl Morkel zu nähern.

Anna

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