Lilith küsst Priapos

Lilith küsst Priapos

Lilith küsst Priapos 210 300 Die Aktgalerie

Anette Bogun, Roland Gottschalk

03.02.2006 – 01.03.2006

Digital bearbeitete Fotografien und Video-Stills von Anette Bogun
Plastiken und erotischer Schmuck von Roland Gottschalk

„Wenn eine archaische Hexe und ein bukolischer Fruchtbarkeitsgott, und sei es auch nur mit den Lippen, aufeinanderprallen, dann soll es wohl Funken
sprühen.Und Lilith ist ebenso wenig irgend eine Dämonin wie Priapos nur einer unter vielen Göttern der Antike war.
Sie: die dunkle Seite weiblicher Sexualität. Als Adams erste Frau, die ihm die Unterordnung verweigerte, ist sie Symbol der emanzipierten Frau. Als Verführerin, Mutter böser Geister und Patronin der Onanie ging sie in Volksaberglauben und Mythen ein.
Er: als Glücksbringer und Beschützer vor Ungemach mit seinem übergroßen Phallus bei sinnenfreudigen Hellenen und Kleinasiaten gleichermaßen beliebt.

Mit den beiden mythischen Figuren, auf die der Titel der Ausstellung verweist, scheint das Leitmotiv der Präsentation eine abgemachte Sache. Was könnte es anders sein, als die so oft beschworene Polarität zwischen dem Weiblichen und dem Männlichen? Der sorgfältigere Blick belehrt auch hier, wie immer, eines Besseren.
Zunächst einmal hat Anette Bogun mit großer Kreativität und ausgeprägtem Gefühl für den optischen Effekt eine Vielzahl höchst überraschenden Kompositionen geschaffen denen Farbfotografien und Video-Stills zugrunde liegen. Erst bei näherem Hinsehen offenbart sich, dass es die weiblichen und männlichen Sexualorgane sind, die in ihren Arbeiten als wiederkehrende Motive dominieren. Dabei ist die Absicht der Künstlerin nicht so sehr die Verfremdung und kritische Distanz als vielmehr das Herausarbeiten der Fruchtbarkeit des Sexus in und durch Farbe. Nicht die männlich-weibliche Polarität steht im Mittelpunkt, sondern die Aufhebung des Widerspruches in Koexistenz und Vereinigung. Der Blick bleibt weiblich.

Bei den Skulpturen von Roland Gottschalk handelt es sich ausschließlich um Unikate, die in mühevoller Handarbeit hergestellt werden. Es ist unmöglich, mehrere identische Objekte herzustellen, immer wird es Unterschiede geben: Wuchs, Holzart und deren Maserung geben den Holzobjekten eine individuelle Note. Objekte aus Edelstahl erhalten durch unterschiedliche Behandlungen wie Sandstrahlen, Oxydation oder Vergoldung ein völlig anderes Aussehen. Bei Körperabdrücken hat die Natur durch anatomische Beschaffenheiten ihre Hand mit im Spiel.
Eros, martialische Fantasien und ein Hauch von Ironie geben den Arbeiten von Roland Gottschalk die persönliche Note. Der Blick bleibt männlich.

Hier trifft sich Anette Boguns weibliche Sicht mit Roland Gottschalks männlicher, hier überschneiden sie sich in Fantasien und Utopien zum Thema Eros bei unterschiedlichster Ausdrucksform.

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